5 Sterne Nilkreuzschiffahrt - die Schattenseiten oder ein Horrortrip der besonderen Art:
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Die menschliche Tragödie der Schiffsbesatzung
Die Abzocke der Reiseveranstalter
Nur eine kleine Episode außerhalb des Schiffes
So haben andere das Schiff M.Pascha bewertet
Bewertungen wie "Traumreise auf dem Nil", 2 x "Traumurlaub" ... dürften die Bewertungen eines Insiders sein - man beachte die ähnliche Ausdrucksweise.
So sehen andere Jasmin Taylor
Ein paar interessante Links
Der Ombudsmann der O.Ö.Nachrichten über diese Reise


Termin: 20. bis 27. November 2008

Veranstalter:

JT Tour
Jasmin Taylor GmbH
Wundtstr. 5
D-14059 Berlin


Verkauft als: NILKREUZSCHIFFAHRT 5 STERNE (LUX) !
Gebucht am 15.11.2008 bei: Eurosun.de, Stockholmer Str. 30, D-13359 Berlin. Agentur vor Ort: SetiFirst, 16 Ismail Mohamed St. ,Zamalek - Cairo - Egypt, P.O. Box 136 Zamalek, www.setifirst.com

Aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustande auf dem veralteten Kreuzfahrtschiff M.Pascha durch Schabenbefall und dem dadurch verbundenen Einsatz von massenhaften Schabenbekämpfungsmitteln in den nicht belüftbaren Zimmern, in der Küche und im Speisesaal, sowie durch das ständige Einatmen der Abgase der Schiffsdieselmotoren sind viele Reiseteilnehmer erkrankt.
Die Erkrankung äußerte sich durch Übelkeit und/oder Erbrechen und/oder Durchfall und/oder Fieber.
Die Schwere dieser Gesundheitsgefährdung läßt sich schon daran erahnen, daß sogar unser einheimischer ägyptischer Reiseführer am Schiff an diesen Symptomen erkrankt ist.

Das Schiff M.Pascha - von außen scheint es ein normales Kreuzfahrtschiff zu sein, wie viele ander auch.
Die Tür von der Rezeption zu den Kabinen, bei einem 2 Sterne Schiff könnte man darüber hinwegsehen.
Der Gang zu meiner Kabine - nicht gerade einladend.
Dann der Eingangsbereich meiner Kabine.
Der Teppichboden im Vorraum der Kabine:
Nicht einfach abgescheuert, sondern verfault !
Eine warme Decke für die gute Nacht.
Der Fuß des Bettes - dilettantisch improvisiert.
Der Spannteppich - etwa 20 Jahre alt, wohl nie so richtig gereinigt - der Anblick und das Wissen um die darin befindlichen tierischen und menschlichen Auscheidungen über 20 Jahre hinweg löst Brechreiz aus !
Noch ein Synonym für den Zustand des Möbilars.
Offener Blick durch das Möbilar auf die Rückseite des Kühlschrankes. Funktion unbekannt. Alleine beim Gedanken, Speisen zu essen, die darin aufbewahrt waren, wäre der Appetit vergangen.

Allerdings ein Eldorado für Kakerlaken, die bei Dunkelheit diese warme Höhle verließen und das Zimmer bevölkerten.
Die Deckenverkleidung.
Der Feuermelder. Ob er wohl im Ernstfall funktioniert hätte ?
Deckenverkleidung und Vorhangschiene.

Nach Angreifen des Vorhangs ist Händewaschen angesagt, denn der Vorhang hat wohl vor 20 Jahren zum letzten Mal Waschlauge gesehen.
Ganz davon abgesehen, daß sich die Vorhänge nicht entfernen ließen, weil sich die Haken im Dreck der Schiene verklemmt hatten.
Das Zimmer war daher ein ständig finsteres Loch mit schummriger elektrischer Beleuchtung.

Ein Blick unter die Vorhangschiene. Die Abgase der Dieselmotoren hinterlassen eben Spuren.
Vorhangschiene und Tapete oder was davon noch übrig ist.
Eine harmlose Schabe auf der Waschtischarmatur, schwierig zu fotografiern, weil schnell und lichtscheu, aber das geringste Problem.
Eines von 2 Kabinenfenstern.
Leider nicht zu öffnen.
Durch den massiven Einsatz von Schabenbekämpfungsmitteln entsteht in der geschlossenen Kabine ein toxisches Klima. Aber das ist leider nicht alles:
Der Türschlitz unter der Kabinentür wär eigentlich kein Problem, würden nicht ....
... in den Häfen Schiffe andocken, die ihre Dieselmotoren Tag und Nacht laufen lassen, um ihre Stromgeneratoren und Klimaanlagen zu betreiben. Diese veralteten Schiffe haben dafür keinen eigenen Dieselgenerator, sondern lassen ihre ~1000 PS starken Antriebsmotoren einfach laufen. Ungefiltete Dieselabgase dieser Dreckschleudern mit voller Tube aus 20 cm dicken Abgasrohren 48 Stunden direkt auf meine Kabinentür !
Man könnte ja das Zimmer verlassen, aber nicht bei Durchfall und Erbrechen, wenn die Toilette im Zimmer nicht die einzig zugängliche wäre.
Reklamation an der Schiffsrezeption oder beim Reiseleiter: vergeblich !
Eine Lebenssituation, die ich niemand vergönnen möchte.
Die fatale Position der Schiffe:
Wegen des gebildeten Tunnels konnten die Dieselabgase des Nachbarschiffes nicht entweichen und strömten 2 Tage lang konzentiert durch den Türschlitz und beim Öffnen der Tür in meine Kabine (Zimmer 208).
Siehe Skizze groß



Aber selbst wer gesund ist und auf das Sonnendeck flüchtet, ist gezwungen, die Abgase der ~1000 PS starken und ständig laufenden Dieselmotoren der Dutzend Nachbarschiffe in den Häfen einzuatmen.

Bild: Blick vom Sonnendeck auf weitere Nachbarschiffe.

Leider fahren die Schiffe dann auch noch im Konvoi entlang des Nils, dann streifen die Abgase des Vorderschiffes über das Deck.
Das Nilwasser in den Häfen - eine einzige Dieselkloake aufgrund der vielen Kreuzfahrtschiffe ! Gefiltert als Brauchwasser zum Waschen und Duschen und Kochen(?) am Schiff.
Auf dem Deck: Nicht viel bessere Zustände.
So wie fast alles auf dem Schiff - verdreckt und verschlissen.
Ein Rettungsring.
Die menschliche Tragödie der Schiffsbesatzung:

Ausgebeutet bis zum letzten. Unter unbeschreiblichen sanitären, hygienischen und arbeitsrechtlichen Bedingungen.
Bei einem Gehalt, das kein normales Leben ermöglicht.
Auf Almosen der Reiseteilnehmer angewiesen, müssen sie bei jeder Gelegenheit durch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft die Zuneigung der Gäste erkämpfen.

Keine Handschuhe, kein festes Schuhwerk, kaum Ruhezeiten, Schlafen auf hartem Boden der Gänge, bloß mit ein paar verdreckten Fetzen zugedeckt, ständig dem Lärm und Abgasen der Dieselmotoren ausgesetzt ...

Die Schiffsbesatzung beim Essen, Schlafen oder bei der Arbeit unter Deck zu fotografieren, wäre gegen ihre Menschenwürde gewesen.

Westliche Reiseagenturen, Reder und vielleicht Topmanager sind die Gewinner, die nicht davor zurückschrecken, dann auch noch mit der Mitleidsmasche obligatorische Trinkgelder von den Reiseteilnehmern abzukassieren, deren Verwendungszweck dann aber im Unklaren bleibt.


Die Abzocke der Reiseveranstalter:

1.) Wird die Reise erst innerhalb von 10 Tagen vor Abreise gebucht, versenden Reiseveranstalter die Flugtickets nicht mehr oder senden diese nicht in elektronischer Form per E-Mail, sondern hinterlegen das Ticket am Abflughafen. Dafür kassieren sie die satte Hinterlegungsgebühr von 25,- Euro.

2.) Bei der Einreise in Ägypten werden Sie von einem Vertreter des Veranstalters vor Ort erwartet, der ihnen sofort 25,- Euro für die Marke (Einreisevisum) abknöpft. Andere Reisende haben sich diese Marke bei der Bank of Egypt um 15,- Euro besorgt.

3.) Am Schiff angekommen kassiert der Reiseleiter bzw. Reiseführer obligatorisch sofort 30,- Euro "ortsübliches" Trinkgeld - angeblich für das schlecht bezahlte Peronal am Schiff.
Mehrere Reisende haben von unabhängigen Quellen erfahren, daß der überwiegende Teil dieser Einnahmen sofort an die Agentur nach Luxor bzw. Kairo geht. Die Angestellten am Schiff sehen davon etwa 10%, also 3,- Euro.
Bei 66 Passagieren und etwa 30 Mann Besatzung wären das 30,- Euro x 66 Passagiere x 4 Wochen = 7920,- Euro Trinkgeld pro Monat; pro Besatzungsmitglied also etwa 250,- Euro Trinkgeld - das 3 fache Monatsgehalt eines Lehrers in Ägypten mit etwa 80,- Euro - das lassen sich die Agenturen natürlich nicht entgehen !
Es ist daher ratsam, diese Art der Trinkgeldabgabe zu verweigern und dem Schiffspersonal direkt in unbeobachteten Augenblicken Trinkgeld zukommen zu lassen. Dabei jenes Personal, das keinen direkten Kontakt zu den Passagieren hat - etwa die Matrosen am Bug und Heck des Schiffes oder das Küchenpersonal nicht vergessen !

4.) Der Reiseleiter ist auch bemüht, sofort bei Ankunft am Schiff seine angebotenen Ausflüge zu verkaufen. So kostet das Ausflugspaket Luxortempel, Karnak, Tal der Könige/Königinnen, Memnon-Kolosse, Horus Tempel in Edfu, Sobek Tempel in Kom Ombo, Nasserstausee in Assuan, Insel Agilkia und Philaetempel zusammen 150,- Euro. Die über 6 stündige Busreise nach Abu Simbel lassen sich die Reiseführer mit 70,- Euro je Person extra vergüten.
Das klingt für uns zunächst plausibel, ist aber für ägyptische Verhältnisse extrem hoch. Bei 20 Reisenden pro Woche sind das immerhin 12.000,- Euro im Monat oder 150 Monatslöhne für das Basisausflugspaket. Rechnet man Eintrittspreise an den Besichtigungsstätten zwischen 10,- und 80,-Pfund (entspricht etwa 1,- bis 10,- Euro) für einzelne Personen (in der Gruppe mit Reiseführer tatsächlich wesentlich geringer) so bleiben wesentlich überhöhte Beträge für Transport und Reiseführung übrig. Klar, daß diese Beträge nicht dem ägyptischen Reiseführer bleiben, sondern an die Agentur fließen.

Es ist daher auch eine gute Alternative, die Besichtigunsstätten etwa in einer kleinen Gruppe abseits der Massenstöme auf eigene Faust zu erkunden. Für den Luxortempel, den Sobek Tempel in Kom Ombo, den Basar in Luxor oder Assuan brauchen sie auch keine zusätzlichen Transportmittel, da sich diese Sehenswürdigkeiten nur ein paar Schritte von der Schiffsanlegestelle entfernt befinden. Der Fußweg von der Schiffsanlegestelle zum Horus Tempel in Edfu dauert etwa 40 Minuten; eine Pferdekutsche dorthin ist für 10,- Pfund zu haben. Vor der Schiffsanlegestelle in Assuan warten schon die Felluken darauf, sie für 50 Pfund oder weniger zur Botanischen Insel (Kitchener Island) und wieder zurück zu bringen.

5.) Ein wesentlicher Fixpunkt dieser ohnedies hochpreisigen Ausflüge sind dann Alabaster-, Parfüm- oder Papyrusshops oder Steinmetze, die zu überhöhten Preisen Souvenirartikel den Reisenden aufdrängen. Selbst in den Touristenbasaren von Luxor oder Assuan sind diese Artikel bei einigem Verhandlungsgeschick wesentlich günstiger zu erwerben. Für jeden verkauften Artikel erhält der Reiseführer natürlich Provision.

6.) Alle Agenturen sind sich in der Preisgestaltung was Visum, Ausflüge oder obligatorisches Trinkgeld betrifft, ziemlich einig. Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, gehört ein großer Teil aller Nilkreuzfahrtschiffe einem einzigen Reder....
Selbst wenn sie das teuerste Arrangagement eines bestimmten Nilkreuzfahrtschiffes mit 5 Sterne buchen, ist das Schiff nicht garantiert, sondern die Veranstalter behalten sich in ihren Vertragsbedingungen vor, ein anderes Ersatzschiff der "gleichen Kategorie" einzusetzen. So kann es passieren, daß sie, auch wenn sie 2000,- Euro für die Nilkreuzfahrt Pauschalpreis bezahlt haben, auf der M.Pascha landen.
Nilkreuzfahrten mit Schiffen, die nur mit 2 oder 3 Sternen ausgewiesen werden, wären unverkäuflich, da sich die hygienischen Verhältnisse herumgesprochen haben. Daher werden beinahe alle Schiffe, auch wenn sie noch so heruntergekommen sind, mit 5 Sternen ausgewiesen.

7.) Bei dieser Vorgangsweise drängt sich die Vermutung auf, daß der Reiseveranstalter den gesamten Reisepreis kassiert und davon nur das Flugticket begleicht.
Den Ägyptern würde dann nur mit Visumsgebühr, dem Geld der Ausflüge und dem "obligatorischen" Trinkgeld der Aufwand für Transfer, Schiff und Besatzung abgegeolten. Für die letzten in der Kette, der Schiffsbesatzung wird dabei wohl nicht mehr viel übrigbleiben. Der Reiseführer wäre dann wohl nur mit den Provisionen aus dem Verkauf der Souvenirartikel entlohnt.
Verständlich, daß dafür keine 5 Sterne Qualität geboten werden kann.



Nur eine kleine Episode außerhalb des Schiffes, für die der Reiseveranstalter natürlich nicht haftbar zu machen ist:

Mein Taxi für die Fahrt zum Hochdamm in Assuan.
Als der Taxifahrer sah, daß ich fotografieren wollte, sprang er wie ein Blitz aus dem Taxi und erklärte mir, daß ich keinen Moslem fotografieren dürfe.
Als ich zuhause die Zahl meiner 50 Pfund Noten zählte, wußte ich erst, warum das Foto für ihn ein Problem gewesen wäre:

Er hatte mich mit dem Pfund/Piaster Trick am Ende der Fahrt gelegt: Ich hatte seine Fahrt mit 100 Pfund (2 x 50 Pfund) gezahlt, dann lenkte er mich kurz ab, tauschte eine 50 Pfund Note in die kleinere 50 Piaster Note und behauptete, ich hätte ihm nur 50.5 Pfund gegeben. Ich glaubte ihm, und gab ihm nochmals 50 Pfund...


Wer allerdings Kinder oder einen Beruf hat, bei dem er schwer zu ersetzen ist, sollte auf längere Taxi- oder Busfahrten in Ägypten lieber verzichten.
Hohe Geschwindigkeiten, riskante Überholmanöver, rücksichtslose Fahrweise, schlechte Straßen, schrottreife Fahrzeuge, keine oder defekte Sicherheitsgurte fordern jährlich viele Todesopfer.
Ägyptens Straßen gelten als die unsichersten der Welt. Es ist daher viel wahrscheinlicher in Ägypten bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen als bei einem Terroranschlag.

Einige interessante Links:

So haben andere das Schiff M.Pascha bewertet
Bewertungen wie "Traumreise auf dem Nil", 2 x "Traumurlaub" ... dürften die Bewertungen eines Insiders sein - man beachte die ähnliche Ausdrucksweise.


Luxor zwischen Tal der Könige und Flughafen
Luxor Zentrum mit Schiffsanlegestelle und Luxortempel
Horus Tempel, Edfu
Sobek Tempel, Kom Ombo
Assuan, Schiffsanlegestelle, Botanische Insel
Assuan, Hochdamm
Abu Simbel

Für bequemere und schnellere Betrachtung können sie mit folgendem Link
GoogleEarthWin.exe  herunterladen und installieren. Dann Anfliegen z.B.: "Luxor,Egypt" ...


Verteiler: Reiseteilnehmer, Jasmin Taylor, eurosun.de, Bundesministerium für Gesundheit Deutschland, Österreichisches Gesundheitsministerium, Auswärtiges Amt Deutschland, Österreichisches Außenministerium, Egyptian Tourist Authority, www.holidaycheck.de, Magazin Konsument, AK Oberösterreich, Österreichisches Bundesministerium für Soziales und Konsumentenschutz, Verein für Konsumentenschutz Österreich, Europäisches Verbraucherzentrum

Impressum: Dipl.-Ing. Erwin Pammer, Ruckerbauerweg 16, 4040 Linz, Österreich.